Wie in Nordfriesland eines der ersten PV‑Reetdächer Deutschlands entsteht

Reetdach + Photovoltaik?

Lara Pichler
in Nachhaltigkeit
18. Februar 2026 5 Minuten Lesezeit

Was lange als unmöglich galt, ist in Nordfriesland Realität. Dieses Projekt zeigt, wie Tradition und Zukunft auf dem Dach zusammenfinden – mit viel Mut, Detailarbeit und einer durchdachten Konstruktion.

Zwei Welten, ein Dach

Reetdächer stehen wie kaum eine andere Dachform für Tradition, Handwerk und regionale Baukultur. Gerade im Norden Deutschlands prägen sie seit Jahrzehnten das Ortsbild. Gleichzeitig wächst der Wunsch, auch diese Gebäude aktiv in die Energiewende einzubinden.

Doch genau hier lag bisher das Problem: Reet gilt baurechtlich als weiche Bedachung, ist brandgefährdet und stellt hohe Anforderungen an Planung, Ausführung und Versicherung. Photovoltaik auf Reet? Für viele lange ein No‑Go.

„Das traut sich keiner.“

Diesen Satz hörte Dachdeckermeister Lasse Kutzbach, als es um die PV‑Planung auf dem Reetdach seines Elternhauses ging.

 

Pionierarbeit aus Nordfriesland

Gemeinsam mit Vielechner Dachdeckermeister GmbH wurde in Nordfriesland eines der ersten Reetdächer in Deutschland mit integrierter Photovoltaikanlage umgesetzt.
Ein Projekt, das es so bislang kaum gibt: ohne Normen, ohne Standardlösungen, dafür mit viel Verantwortung und Detailarbeit.


Der zentrale Punkt: Sicherheit.
Die grösste Herausforderung ist der Brandschutz. Ziel war eine Konstruktion, bei der PV‑Elemente keinen direkten Kontakt zum Reet haben und Hitze, Funken oder elektrische Lichtbögen sicher vom Naturmaterial getrennt bleiben.


Die Lösung:
Die Module werden nicht auf, sondern konstruktiv in das Dach integriert – mit definierten Abständen, einer brandschutzgeeigneten Unterkonstruktion, nicht brennbaren Zwischenschichten sowie sauber geführten Leitungen und Durchdringungen.

 

Verantwortung statt Zuständigkeitschaos

Bei Projekten ohne etablierte Standards stellt sich schnell die Frage wer die Verantwortung trägt: Reetdachdecker, Elektriker oder Anlagenbauer?

Gerade deshalb wurde dieses Projekt gewerkübergreifend geplant, abgestimmt und dokumentiert, in enger Zusammenarbeit mit Fachplanern und Behörden.

„Das grösste Problem ist nicht die Technik – sondern die Verantwortung.“

– Lasse Kutzbach

Energetische Sanierung von aussen

Um das Bestandsgebäude energetisch zu ertüchtigen, ohne in den Innenraum einzugreifen, fiel die Wahl auf eine alternative Sanierung von aussen. Der mehrlagige Aufbau mit Klimamembran sowie Holz‑ und Aufdachdämmung stellt hohe Anforderungen an Wetter‑ und Windsicherheit.

Ein zentraler Baustein dabei: SIGA Majcoat 200 SOB.
Auf rund 250 m² Dachfläche – etwa der Hälfte des Daches – wurde die Membran zweilagig verlegt. Insgesamt kamen 450 m² Majcoat 200 SOB zum Einsatz.

Mehr als ein Einzelprojekt

Dieses Projekt zeigt, dass Photovoltaik im Reetdach zwar kein Standard ist, aber mit durchdachter Planung, klaren Verantwortlichkeiten und gewerkübergreifender Zusammenarbeit funktioniert. Es liefert wertvolle Erfahrungen für zukünftige Lösungen und beweist, dass selbst kulturhistorisch sensible Gebäude Teil der Energiewende sein können, ohne ihr Erscheinungsbild zu verlieren.


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Deine SIGA‑Ansprechperson freut sich auf deine Anfrage und unterstützt dich gerne bei der Umsetzung.

Lara Pichler

Content- und Videospezialistin bei SIGA in der Schweiz.

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