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Zeigt SIGA Modulbau

Die Herausforderungen des modularen Bauens

Die modulare Bauweise und der sogenannte Offsite-Bau wächst, da die Nachfrage nach superisolierten, luftdichten und CO2-armen Neubauten steigt. Aber noch bestehen gewisse Vorurteile und Herausforderungen, bevor diese Art des Bauens endgültig den Markt erobern kann.

«Vorgefertigt» war einst der gebräuchlichste Begriff für eine Bauweise, die in einer Fabrik und nicht auf einer Baustelle stattfand.  Aber «Fertigbau» wird teils mit Billigbau assoziiert, was so eigentlich nicht stimmt.  Heute ist es viel üblicher, dass Unternehmen von «Offsite»-Bauweise statt von «Fertigbau» sprechen. 

«Modulbau» ist ein ähnlicher Begriff. Er bezieht sich speziell auf Gebäude, die in einer Fabrik aus standardisierten Komponenten hergestellt werden.

Hier sind einige allgemeine Unterschiede zwischen traditioneller Bauweise und der Offsite-Bauweise:

Traditionelle Bauweise 

  • Die meisten Bauarbeiten werden auf der Baustelle durchgeführt
  • Typische Materialien wie Beton, Ziegel, Zement und Putz
  • Luftdichtheit und Isolierung werden vor Ort ausgeführt

Offsite-Bauweise 

  • Viel mehr Bauarbeiten werden in der Montagehalle durchgeführt
  • Typische Materialien sind u. a. Holz (CLT, Holzrahmenbau) und Stahl in Leichtbauweise
  • Das Gebäude wird als Module oder Paneele auf die Baustelle gebracht und dann zusammengebaut
  • Luftdichtheitsprodukte und Dämmung können in der Fabrik installiert werden

Die Vorteile der Offsite-Bauweise

Die meisten Offsite-Systeme sind von Natur aus leicht. Das bedeutet, dass sie leichter zu transportieren und auf der Baustelle zu platzieren sind. Sie sind meist in Holzbauweise ausgeführt, einschliesslich traditionellem Holzrahmenbau oder Brettsperrholz (CLT). Auch andere Materialien wie Leichtbaustahl sind üblich.  

Die Offsite-Bauweise hat in den letzten zehn Jahren ein rasantes Wachstum erfahren, vor allem wegen den schnellen Durchlaufzeiten, die damit möglich sind. Es gibt einen Gegentrend zum Bauen mit Beton und Gips auf nassen und windigen Baustellen. 

Aber die Bauvorschriften werden immer strenger, und die Nachfrage nach CO2-armen Gebäuden wächst. So ist es vielleicht keine Überraschung, dass die Offsite-Bauweise bei Kunden, Architekten, Bauherren und Entwicklern immer beliebter wird.  Ihre Befürworter argumentieren, dass sie eine Reihe von entscheidenden Vorteilen hat: 

  • Eine warme, trockene und gut beleuchtete Umgebung für die Ausführung der Bauarbeiten
  • Detailgenauigkeit und Qualitätskontrolle sind in Innenräumen einfacher als im Freien
  • Viel weniger Zeitaufwand auf der Baustelle
  • Leichtere Reduzierung und Wiederverwertung von Bauabfällen in der Fabrik
  • Geringeres Gesundheits- und Sicherheitsrisiko in der Fabrik (z. B. weniger Zeit für Arbeiten in der Höhe auf der Baustelle)

Herausforderungen beim modularen Bauen

Trotz der vielen Vorteile, die sie bietet, steht die Offsite-Bauweise noch vor einigen Herausforderungen. Sechs davon haben wir dir aufgelistet:

Herausforderung 1: Schlechte Erinnerungen an Fertighäuser

Es gibt oft ein Misstrauen gegenüber anderen Bauweisen, und viele sind vielleicht immer noch misstrauisch gegenüber allem, was den Begriff «vorgefertigt» trägt. Doch die heutigen «Fertighäuser» stehen den auf der Baustelle entstandenen in nichts nach. «Bei Beattie Passive liefern wir Passivhäuser aus der Fabrik, und die sind viel besser als die grosse Mehrheit der Gebäude, die derzeit in Grossbritannien gebaut werden», sagt er. „Sie haben 300 mm durchgehende Dämmung, eine Luftdichtheit von 0,6 Luftwechseln pro Stunde, mechanische Belüftung mit Wärmerückgewinnung, Luft-Wärmepumpen, Solar-PV. Es ist ein CO2-freies Passivhaus, das aus einer kontrollierten Umgebung stammt.“

«Es gibt jetzt viel mehr Aufklärung auf dem Markt, und der Passivhausstandard trägt definitiv dazu bei, das Interesse an modularen Häusern zu steigern. Warum sollte jemand in einem kalten, schimmeligen Haus leben wollen?»

Herausforderung 2: Präzise Planung erforderlich 

Offsite-Bauweise bedeutet jedoch, dass die Projekte genauer geplant werden müssen. Dies erfordert eine Art Kulturwandel auf unseren Baustellen. Das Projektteam muss bereit sein, die Module zu montieren und sie wetterfest zu machen, sobald sie ankommen. Die Subunternehmer müssen nach strengen Zeitplänen arbeiten. Die Bauherren haben sich oft für ein Offsite-System entschieden, um die Zeit auf der Baustelle drastisch zu reduzieren.  

Ein Vorteil dieses Ansatzes ist, dass aufgrund der Präzision und Kontrolle, die in der Fabrik möglich ist, Bauabfälle reduziert werden können. Übrig gebliebenes Baumaterial kann dort auch leichter wiederverwendet oder recycelt werden.

Herausforderung 3: Schutz vor der Witterung 

Eine genaue Planung ist entscheidend, damit das Projektteam die Module bei ihrer Ankunft auf der Baustelle so schnell wie möglich aufstellen und wetterfest machen kann. Die traditionelle Lösung zur Abdeckung der Module während des Transports war eine Plane. Aber die Plane muss mechanisch befestigt werden, was schwierig und zeitaufwändig ist. Es kann auch schwierig sein, die Plane unten zu halten, besonders bei schlechtem Wetter. Und während die Plane wasserdicht ist, ist sie auch undurchlässig für Wasserdampf. Dies erhöht das Risiko von Kondenswasserbildung bei der Lagerung von Holzmodulen. Überschüssige Feuchtigkeit kann zu Verfärbungen, Aufquellen und Verziehen des Holzes führen.  

„Wenn Module bei der Lagerung auf der Baustelle nicht geschützt werden, kann dies zu zusätzlichen Feuchtigkeitsschäden führen. Wenn Feuchtigkeitsschutzmembranen bereits im Werk installiert werden, hilft uns das bei windigen Bedingungen auf der Baustelle“, sagt Tony Cameron, Bauleiter vom Offsite-Holzspezialisten Streif. „Der Schlüssel wäre, die Paneele erst auf der Baustelle zu fügen, was mit dem 390-mm-Band von Wetguard problemlos möglich ist.“

Herausforderung 4: Aufstellen der Module bei Wind 

Die vielleicht grösste Herausforderung, die das Wetter mit sich bringt, ist der Wind. «Sobald starker Wind aufkommt, wird es schwierig zu kranen», sagt Nathan Beattie. «Man legt vielleicht einen Liefertermin fest, aber der kann durch die Wettervorhersage geändert werden, also muss man agil sein und sich an bestimmte Situationen anpassen.» Die Module oder Paneele müssen dann auf der Baustelle oder in der Nähe gelagert werden, bis das Wetter nachlässt.

Herausforderung 5: Module auf der Baustelle verbinden

Natürlich bedeutet die Offsite-Bauweise nicht, dass vor Ort nicht gebaut wird. Sobald die Module geliefert sind, besteht die Herausforderung darin, sie so zu verbinden und fertigzustellen, dass eine luftdichte, leistungsstarke Gebäudehülle entsteht. Eine mögliche Lösung ist, die Module so gross wie möglich zu machen, damit weniger Verbindungen zwischen den Modulen hergestellt werden müssen.

«Wir machen unsere Module so gross wie möglich, um die Anschlüsse zu minimieren», sagt Nathan Beattie. «Das grösste Modul, das wir machen können, ist zwölf Meter lang und fünf Meter breit. Wir bauen unsere Gebäude als ganze Einheit in der Fabrik und trennen dann die Module voneinander. Wenn sie dann vor Ort sind, müssen sie nur noch wieder miteinander verbunden werden. Wir lassen eine Fuge, an der die Luftdichtheitsschicht leicht zugänglich ist und wieder verbunden werden kann.»

Herausforderung 6: Modulares braucht Investitionen und Fortbildung

Die vielleicht grösste Herausforderung für die wachsende Offsite-Industrie ist die Notwendigkeit, Bauarbeiter für den Offsite-Bau zu qualifizieren. Die Umstellung von der traditionellen Bauweise auf die Offsite-Bauweise erfordert Investitionen, Innovationen und die Qualifizierung unserer Arbeitskräfte im Baugewerbe.

Der Klimawandel verlangt, dass wir die Art und Weise, wie wir bauen, sowieso ändern müssen. Und die Herausforderung des modularen Bauens ist eine, die sich, wenn wir sie annehmen, letztendlich in der Qualität der Häuser und Büros, in denen wir leben und arbeiten, und in der Höhe unserer Energierechnungen auszahlen kann.

Nach einem Artikel von Lenny Antonelli, Journalist und Redakteur bei Passive House Plus, der regelmässig für SIGA schreibt.

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Alejandro Jimenez

Kommunikationsspezialist & Outdoor-Enthusiast

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