SIGA
Majrex 200 galore

Dampfsperre, Dampfbremse, wo ist da der Unterschied?

Beim Thema Dampfbremse gibt es, wie bei vielen komplizierteren Dingen einige Mythen, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Einer davon ist, dass es zwingend eine Dampfsperre braucht.

Oft müssen wir uns in unserer anwendungstechnischen Beratung für die SIGA mit der Frage nach einer Dampfsperre beschäftigen. Der Bauherr oder vielleicht sogar der Planer fordert von unserem Handwerkerkunden den Einsatz einer Dampfsperre beim Ausbau eines Dachgeschosses. Und mit der Frage „Ist die SIGA Majpell 5 eine Dampfsperre?“ landet der Handwerker bei uns in der technischen Beratung. Die Frage an sich ist schnell beantwortet: „Nein, Majpell 5 ist keine Dampfsperre.“ Die Antwort auf die Frage, ob eine Dampfsperre überhaupt benötigt wird, bedarf dann etwas mehr Erklärungszeit.

PE-Folie „im Einsatz“.

Was versteht der Handwerker unter einer Dampfsperre?

Meist hat man beim Begriff einer Dampfsperre eine weisse PE-Folie vor Augen. Diese Folien wurden vor über 30 Jahren mehrheitlich als diffusionshemmende Schichten in Dach und Wand verbaut. Die Materialien aus reinem Polyethylen sehen wir allerdings seit 10 Jahren immer seltener auf Baustellen. Die Bahnen sind im Einkauf zwar recht günstig, allerdings erscheinen einige der typischen Eigenschaften dieser Folien nicht mehr zeitgemäss. Zum einen wären da die Verarbeitungseigenschaften: Die Bahnen sind recht steif und lassen sich nicht immer problemlos auf der Baustelle verkleben. Der entscheidende Nachteil aus unserer Sicht ist allerdings der hohe Widerstand gegen Wasserdampfwanderung (Dampfdiffusion).

Woher weiss ich, wie hoch der Widerstand gegen Wasserdampfwanderung meiner Folie ist?

Hilfreich zur Bewertung der verschiedenen Baumaterialien im Dach ist der sd-Wert. Als Dampfsperre gelten Materialien mit einem sd-Wert grösser gleich 100 m. Das ist oft auch der ausgewiesene sd-Wert von PE-Folien. Im Aussenbereich kommen dagegen meist Bahnen oder Plattenmaterialien mit sehr niedrigen sd-Werten (kleiner 0,5 m) zum Einsatz.

Warum ist ein hoher Widerstand gegen Wasserdampfwanderung «schlecht»?

Oft wird die Entscheidung für eine Dampfsperre aufgrund einer «Daumenregel» getroffen. Diese lautet recht verallgemeinernd, dass ein Dach- oder Wandaufbau innen dichter als aussen sein sollte. Per se ist gegen diesen Grundsatz nichts einzuwenden. Die anschliessende Frage muss aber sein, wie dampfdicht sollte es denn auf der Innenseite sein. Auch hier hilft eine «Daumenregel» weiter: 10-mal diffusionsdichter als aussen ist optimal. Nehmen wir also an, dass die Unterdachbahn einen sd-Wert von kleiner 0,5 aufweist. Gemäss «Daumenregel» erfüllt dann eine Bahn mit einem sd-Wert von 5 Metern auf der Innenseite optimal die Anforderungen dieser Regel. Niedergeschrieben findet der Fachmann diese genannten Regeln z. B. in den nationalen Normen zum Feuchteschutz eines Bauwerkes.

In unserem mitteleuropäischen Klima haben wir sehr deutlich ausgeprägte Jahreszeiten, hoffentlich einen schneereichen, kalten Winter ab Weihnachten und einen sonnig-warmen, trocknen Sommer. Dies beeinflusst die Feuchtewanderung in einer Dach- oder Wandkonstruktion erheblich. Im Winter wandert die Feuchte von der Raumseite durch die Dachkonstruktion nach aussen. Im Sommer läuft dieser Prozess in umgekehrter Richtung ab. Nun würde eine Dampfsperre zwar verhindern, dass im Winter zu viel Wasserdampf in die Konstruktion eindringen kann. Allerdings würde der gleich hohe Dampfdiffusionswiderstand im Sommer eine Rücktrocknung zur Innenseite behindern.

Warum ist ein hohes Rücktrocknungsvermögen einer Dampfbremsbahn, wie der SIGA Majpell 5, erforderlich?

Ein Bauherr ist schnell bereit, sich für eine Dampfsperre zu entscheiden. Er will, dass die Dämmung vor Feuchtigkeit/Kondensat dauerhaft geschützt ist. Eine nasse Dämmung hält genauso wenig warm wie ein nasser Pullover. Allerdings kann diese gute Absicht trotzdem langfristig zu Mängeln (feuchte, unwirksamere Dämmung) und sogar Bauschäden, wie Schimmelbildung an Holzbauteilen führen. Häufiger Grund ist eine schlechte Montage der Dampfsperre. Schlecht abgeklebte Folienüberlappungen oder kleinere Verletzungen der Bahn lassen einen Feuchtestrom durch Konvektion in die Bauteilschicht zu. Der Wasserdampf sammelt sich in der Tauperiode (Winter) im Bauteil und kann aufgrund des hohen Diffusionswiderstandes der Dampfsperre im Sommer nicht ausreichend nach innen wegtrocknen.

Dampfbremse SIGA Majrex
Dampfbremse SIGA Majrex

Aber nicht nur durch diese Fehler kann es zu Feuchteschäden kommen. Bereits in der Bauphase können Bauteile Wasser in grösseren Mengen speichern. Die Ziegelwand wurde während der Bauzeit mehrfach Regenschauern ausgesetzt. Das Bauholz für den Dachstuhl ist zwar trocken, aber enthält immer noch ausreichend Restfeuchte, die in den nächsten Monaten und Jahren abtrocknet. Hier bietet eine Dampfbremse mit einem moderaten sd-Wert eine höhere Sicherheit, da die Trocknungsreserven deutlich grösser sind. Dampfdiffusion kann sowohl im Winter nach Aussen stattfinden und im Sommer zusätzlich  zur Innenseite.

Aus diesem Grund empfehlen wir in 99 % der Kundenanfragen eine Dampfbremsbahn.

SIGA-Daumenregel: Dach und Wand innen so dampfdicht wie nötig und so dampfdiffusionsoffen wie möglich planen und ausführen.

Das gelingt mit der Dampfbremsbahn SIGA Majpell 5 gut. Eine noch höhere Sicherheit bietet unseren Kunden und deren Bauherren die gerichtet feuchtevariable Dampfbremsbahn SIGA Majrex.


Autor dieses Artikels ist Jörg Wollnow, Application Engineer bei SIGA. Er ist ausgebildeter Zimmermann und diplomierter Holztechniker, der seit über 20 Jahren am Thema Luftdichtheit kleben geblieben ist. Er hat schon über 30’000 Fachleute zu Luftdichte-Handwerkern und -planern ausgebildet.

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Alejandro Jimenez

Kommunikationsspezialist & Outdoor-Enthusiast

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